Vorbild Xkeyscore der NSA: 1. Darknet-Suchmaschine gestartet

Warst du schon einmal im Darknet unterwegs? Weißt du, ob vielleicht sogar vertrauliche Daten von dir aus einem Datenleck u. ä. dort herumschwirren? Bisher konnte man das verschlüsselte Tor-Netz nicht einfach mal so via Google & Co durchsuchen. Spezialwissen war gefragt. Ein ehemaliger österreichischer Whitehat-Hacker möchte das nun ändern und hat eine Suchmaschine entwickelt, die tiefer im Netz nach Daten gräbt. Eben auch im Darknet und auf einfache Art und Weise. Vorwiegend für Behörden und Unternehmen, aber auch Privatpersonen können „Intelligence X“ zumindest in geringem Umfang nutzen. Inspiration für Sicherheitsexperte Peter Kleissner war unter anderem die Suchmaschine der NSA: Xkeyscore.

Wieder eine neue Suchmaschine meinst du? Nicht ganz, so Peter Kleissner: „Mit Intelligence X haben wir erstmals eine Suchmaschine geschaffen, mit der jederzeit mithilfe einer einfachen Suche festgestellt werden kann, ob persönliche Daten im Internet kursieren und möglicherweise von einem Datenleck betroffen sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Suchmaschinen graben wir mit Intelligence X wesentlich tiefer und durchsuchen auch die entlegensten Bereiche des Internet.“

Intelligence X soll Daten wie Kreditkartennummern, Bitcoin-Adressen etc. finden

Der Österreicher hat sich in seiner bisherigen Laufbahn einerseits als Whitehat-Hacker einen Namen gemacht, andererseits durch diverse Tätigkeiten im IT-Security-Bereich. Er weiß also, wovon er spricht. Intelligence X soll besondere Dinge finden – nicht allgemeine Normalo-Suchanfragen stehen im Fokus, sondern beispielsweise E-Mailadressen, Bitcoin-Adressen, Domains, Kreditkartennummern, IP-Adressen oder Telefonnummern. Also genau jene Daten, von denen du garantiert nicht möchtest, dass sie im Netz kursieren.

95 % der öffentlichen Darknet-Seiten indexiert

Das besondere an Intelligence X ist die tiefergehende Suche auch in den versteckten Teilen des Internets, die vom User meist nicht so leicht gefunden werden können. Hierfür hat Peter Kleissner bis dato 95 % aller Seiten im Darknet indexiert, sagt er. Es gibt aber auch für Intelligence X unüberwindbare Grenzen: Geschlossene Foren etc. sind von der Suche ausgenommen, es handelt sich nur um die öffentlichen Darknet-Informationen.

Neben der spannenden Quelle des Darknets, das von Crawlern auf anonymisierte Art und Weise durchforstet wird, werden auch normale Quellen im Public Web angeschaut. Und auch die öffentlichen nordkoreanischen Webseiten, ganze 30 momentan, stehen für die Suche zur Verfügung.

Kontrollierte Server in Prag, keine Zusammenarbeit mit Drittdienstleistern

Alle Suchergebnisse werden von Algorithmen ermittelt, mit einem X-Score bewertet und die Relevanz analysiert. Du kannst jedes der Resultate in einer Detailansicht anschauen, inklusive Ursprungsdokument, und auch Filterungen vornehmen. Weiters ist es möglich, Ergebnisse offline zu speichern. Zur Sicherung der Privatsphäre aller User besitzt und kontrolliert das Unternehmen seine Server selbst, Standort ist Prag. Es wird nach eigenen Aussagen auch nicht mit Drittdienstleistern zusammengearbeitet. An Nutzer-Daten werden nur jene erfasst, die absolut notwendig sind (z. B. zur Zahlung des Services).

Für wen ist die Darknet-Suchmaschine interessant?

Einerseits sollen Behörden und Unternehmen davon profitieren, indem sie Risiken besser ausloten können, so Peter Kleissner. Privatpersonen wie du und ich können prüfen, ob und welche ihrer sensiblen Daten im Netz kursieren. Kostenlos gibt es eine eingeschränkte Version. Darüber hinaus können Firmenkunden Monatsabos (99 Euro monatlich) abschließen oder sich Intelligence X per Schnittstelle in bestehende Unternehmensprozesse zu integrieren: „Wir bieten Unternehmen und Organisationen erstmals ein Werkzeug, mit dem jederzeit und in Echtzeit überprüft werden kann, ob Firmen- oder Nutzerdaten im Internet geleakt und missbräuchlich verwendet werden.“ Last but not least bietet Kleissner überhaupt maßgeschneiderte Versionen seiner Suchmaschine an, welche Firmen über ihre eigenen Server laufen lassen können.

Intelligence X befindet sich in stetiger Weiterentwicklung. Peter Kleissner plant so einiges, beispielsweise eine Alarmfunktion für Suchanfragen, die es demnächst geben soll, um am Laufenden zu bleiben. Außerdem soll es Snapshots von Seiten im öffentlichen Internet geben.

Quelle: Standard Online, Intelligence X


Erstellt am:16. Oktober 2018


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