Dragonfly: Googles geplante China-Suchmaschine verlinkt Suchanfragen mit Privat-Telefonnummern der User

Wie unlängst bekannt wurde, arbeitet Google an einer sehr umstrittenen Suchmaschine für China. Diese richtet sich extrem nach der dortigen Zensur durch die Regierung. Erst letzte Woche hat „The Intercept“ wieder neue Ungeheuerlichkeiten aufgedeckt, die so gar nicht mit dem Recht auf Privatsphäre und Datenschutz konform gehen: Der Prototyp der Suchmaschine verbindet Suchanfragen der User mit deren privaten Telefonnummern. So hätte es die chinesische Regierung besonders leicht, Anfrage von Bürgern zu monitoren.

Aber nicht nur das: Auch Suchbegriffe bzw. -inhalte, welche der chinesischen Regierung „nicht passen“, werden von „Dragonfly“ einfach blockiert: Dazu gehören Themen wie Redefreiheit, Demokratie, Menschenrechte, friedliche Proteste und politische Gegner. Im Detail hat The Intercept herausgefunden, dass Google eine Zensur-Blacklist erstell hat, welche Begriffe wie „Menschenrechte“, „Nobel-Preis“ und „Studentenproteste“ enthält.

Google könnte „direkt zu einer Menschenrechtsverletzung beitragen”

Führende Menschenrechts-Organisationen haben Dragonfly kritisiert. Google liefe damit Gefahr, „direkt zu einer Menschenrechtsverletzung beizutragen oder diese zumindest zu unterstützen“. Eine der zentralen Bedenken der Organisationen ist aber nicht nur die Zensur an sich. Auch dass User-Daten, die von Google in China gespeichert werden, direkt für chinesische Behörden zugänglich sein könnten, wird sehr kritisch gesehen. Denn China geht regelmäßig gegen politische Aktivisten und Journalisten vor.

Quellen, die mit dem Projekt vertraut sind, haben The Intercept weitergegeben, dass Prototypen von Dragonfly die Suchmaschinen-App am Android-Smartphone eines Nutzers mit seiner Telefonnummer verbunden haben. Das heißt, dass individuelle Suchen leicht getrackt werden können. Jeder User, der nach von der Regierung zensierten Informationen sucht, könnte potenziell dem Risiko einer Verfolgung ausgesetzt sein. Sofern Google die Suchdaten an Sicherheitsbehörden weitergibt.

Privatsphäre stark gefährdet – detailliertes Tracking & Profiling möglich

Cynthia Wong von Human Rights Watch dazu: „Das ist aus dem Blickwinkel der Privatsphäre äußerst problematisch, weil es ein weit detaillierteres Tracking und Profiling des Nutzerverhaltens erlaubt. Suchanfragen mit Telefonnummern zu verbinden, würde es Menschen sehr erschweren, die extreme und allgegenwärtige Überwachung durch die Regierung zu vermeiden.“ Die Suchmaschine würde als Teil eines Joint Ventures mit einem in China basierten Unternehmen betrieben werden, so die Quellen weiter zu The Intercept. Die Mitarbeiter dieses Joint Ventures hätten die Möglichkeit, die Suchbegriff-Blacklists upzudaten. Was wiederum die Frage aufwirft, ob Google in den USA überhaupt eine effektive Kontrollen und Überblick über die Zensur hätte.

Manipulation von Luftgüte-Daten?

Darüber hinaus gaben die Quellen an, dass die Plattform auch darauf ausgerichtet worden sei, Wetter- und Luftverschmutzungs-Daten direkt durch Informationen von einer nicht namentlich genannten Quelle in Beijing zu ersetzen. Die chinesische Regierung ist bekannt dafür, Daten über die Umweltverschmutzung in Städten zu manipulieren. Es ist also naheliegend, dass Dragonfly dazu genutzt werden könnte, falsche Daten zu liefern, welche den Toxingehalt der Luft hinunterspielen.

Google zeigt sich nicht auskunftswillig, kommt aber unter Zugzwang

Google hat The Intercept bisher eine Stellungnahme zu den Befürchtungen hinsichtlich der geplanten chinesischen Zensur verweigert. Seit Bekanntwerden von Dragonfly hat sich der Konzern auch nicht mit Menschenrechtsorganisationen auseinandergesetzt und die Anfragen von Medien ignoriert. Das lassen sich die amerikanischen Gesetzgeber aber nicht gefallen. Letzte Woche haben sich 16 US-Abgeordnete mit einem Schreiben an Google-CEO Sundar Pichai gewandt, da sie „beträchtliche Bedenken“ zu Dragonfly haben und weitere Informationen zum Projekt verlangen.

Quelle: The Intercept

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Dragonfly: Googles geplante China-Suchmaschine verlinkt Suchanfragen mit Privat-Telefonnummern der User
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„The Intercept“ hat bei Googles geplante China-Suchmaschine "Dragon Fly" weitere Ungeheuerlichkeiten aufgedeckt, die so gar nicht mit dem Recht auf Privatsphäre und Datenschutz konform gehen: Der Prototyp der Suchmaschine verbindet Suchanfragen der User mit deren privaten Telefonnummern. So hätte es die chinesische Regierung besonders leicht, Anfrage von Bürgern zu monitoren.
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