China statuiert Exempel: 5 Jahre Haft und Geldstrafe für VPN-Betreiber

Vieles, was bei uns in Sachen Internet erlaubt, ja ganz selbstverständlich ist, kann in China zu gröberen Problemen führen. So geschehen bei einem Chinesen, der seit 2013 ein VPN anbietet. Dieses VPN hebelt für seine User die chinesische Zensur der Regierung, die sogenannte „Great Firewall of China“ aus (dort sind Hunderte von Seiten wie Facebook, Google etc. nämlich auf der Blacklist und damit verboten). Jetzt wurde Wu Xiangyang für sein „Vergehen” hart bestraft, er muss ganze fünf Jahre ins Gefängnis!

Als wäre das nicht genug, muss Xiangyang auch noch sämtliche Umsätze, die er mit dem VPN machte, als Strafe zahlen. Dabei handelt es sich um eine Summe von 500,000 yuan ($76,000). Laut einem Tweet des VPN aus dem letzten Jahr, nutzten 5000 Unternehmen und 8000 ausländische Kunden das VPN und seine Dienste wie Privatsphäre und Unblocking-Service.

Groß angelegte Razzia gegen VPN

Im Juni 2017 war Xiangyang dazu gezwungen, sein VPN einzustellen. Zu dieser Zeit fand in China überhaupt eine groß angelegte Razzia gegen die Verwendung von VPN statt, die Xiangyangs Service zum Stillstehen brachte. In der darauffolgenden Untersuchung des VPN wurde Xiangyang bezichtigt, das Zensurumgehungs-Modul ohne entsprechende Lizenz der Regierung anzubieten.

Von den chinesischen Behörden entdeckt wurde das VPN durch Werbung auf Social Media-Seiten und auf der bekannten Shopping-Seite Taobao. Zusätzlich verfügte es über seine eigenen Webseiten, wo es für sich selbst die Werbetrommel rührte – eben als Methode, um Zugang zu Seiten wie Google, Facebook oder Twitter zu erhalten.

Eine Warnung für alle „Widerspenstigen“

Die hohe Strafe für Xiangyang ist als Warnung für andere gedacht. Momentan greift Präsident Xi Jinping hart gegen Internet-Services, die sich der Zensur widersetzen, durch. Und da passt so eine Warnung natürlich ganz gut … Der Präsident bezeichnet sein harsches Vorgehen als „Kampf für die Internet-Souveränität“.

William Nee, ein Researcher bei Amnesty International in Hong Kong kritisiert die chinesische Regierung:

„Anonymizers wie VPN sind der Schlüssel dazu, Menschenrechte online durchzusetzen. Die Tatsache, dass dieser Mann eine derart lange Strafe für den Verkauf von VPN erhalten hat, ist ein sehr beunruhigendes Zeichen. Es zeigt, mit welcher Entschlossenheit die chinesische Regierung jene bestraft, die über die Great Firewall springen und Zugang zu Informationen schaffen, die dem weltweit extremsten Zensur-Regime nicht genehm sind.“

Im Zuge des Verbots von VPN wurden bereits zahlreiche beliebte Services aus dem chinesischen Apple iTunes App Store zensuriert. Chinesische ISPs blockieren nun standardmäßig VPN Webseiten und IP-Adressen, die in Zusammenhang mit VPN stehen. Daraus resultierend können viele
User keine bestehenden VPN Services mehr nutzen. Zusätzlich wurden die Möglichkeiten für Menschen in China stark erschwert, einen neuen VPN zu finden. Das Schlimmste ist aber noch nicht überstanden: Laut Quellen wird sich die VPN- und Proxyserver-Verfolgung in der ersten Hälfte 2018 noch weiter verschärfen.

Viele Betroffene

Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen in China spüren die Folgen der geblockten VPN-Services. Ein Bericht von uns hat aufgedeckt, wie VPN-Blockaden im Ausland studierende Chinesen negativ beeinflussen. Zurück in China ist es für die Studenten oft unmöglich, sich in die Webportale ihrer Universitäten einzuloggen und Zugang zu ihrer eigenen Arbeit zu erhalten. Unglaublicherweise passiert das sogar, wenn die Studenten für ihr Auslandsstudium Stipendien der chinesischen Regierung erhalten.

Negative Effekte für Unternehmen

VPN-Blockaden beeinflussen aber auch Unternehmen, die ihren Standort in China haben. Jake Parker, Vice President des US-China Business Council, hat kürzlich seiner Sorge Ausdruck verliehen: „Jede Art von Einschränkung von VPN am chinesischen Markt würde einen störenden Einfluss auf das hiesige Unternehmertum haben.“ Eine Studie der Europäischen Wirtschaftskammer für Handel, Gewerbe und Industrie hat ebenfalls gezeigt, dass sich Internet-Restriktionen negativ auf Unternehmen auswirken. Laut Studie haben instabile Verbindungen, schleppende Internet-Geschwindigkeiten und Restriktionen (wie VPN-Blockaden) allesamt die in China arbeitenden Firmen massiv beeinträchtigt. Probleme mit dem Internet, einschließlich VPN-Blockaden, verursachen „eine geringere Produktivität, Schwierigkeiten bei Daten- und Dokumententransfer mit Hauptstandorten, Partnern und Konsumenten, sowie die Unfähigkeit, effizient nach Informationen zu suchen.“

Direktleitungen als Business-Lösung?

Einige Firmen mit Sitz in China verwenden eine Direktleitung, um mit ihren internationalen Büros zu telefonieren. In Japan bezahlen beispielsweise viele Unternehmen für eine Direktleitung, seitdem die VPN-Blockierungen begonnen haben. Diese Lösung erlaubt Firmen zwar weiterhin die Direktkommunikation mit ihren Übersee-Büros – aber es gibt auch Nachteile. Anders als VPN, die dank starker Verschlüsslung einen hohen Datenschutz bieten, kann eine Direktleitung von der chinesischen Regierung auf ISP-Level angezapft werden …

Teure Hintertür – Snowden lässt grüßen

Die chinesische Regierung hat versichert, dass eine ganz spezielle Direktleitung, die von einem staatseigenen Telekom-Provider geleast wird, die beste Lösung sei. Schön und gut. Aber die Realität ist, dass Unternehmen 1.000 Dollar im Monat bezahlen könnten, um der chinesischen Regierung eine gemütliche Hintertür in die eigene Unternehmenskommunikation zu öffnen. Momentan gibt es keinerlei wirklichen Beweise, dass die chinesische Regierung private Direktleitungen tatsächlich anzapft. Aber erinnern wir uns doch mal kurz daran, was Snowden über die Methoden der USA aufgedeckt hat. Vor diesem Hintergrund scheint es doch ein wenig sehr gutgläubig, zu denken, dass die chinesischen Behörden anders als ihre Kollegen in den USA agieren …

 


Private „VPN Nutzer in China“ haben derzeit nichts zu befürchten

So unverständlich und auch erschreckend diese Tatsachen auch für uns klingen mögen, so haben diese aber auf „Ausländer“ welche einen VPN-Service in China benutzen keinerlei Auswirkungen. Die staatlichen Restriktionsmassnahmen versuchen zwar jede Art von VPN-Services, welche ohne Genehmigung benutzt werden zu verhindern, aber die Nutzer davon haben derzeit nichts zu befürchten. Wer daher China bereist, der solle sich auch weiterhin mittels eine VPN-Services den Zugang zum freien Internet verschaffen.

 

Unsere Empfehlungen daher für Reisende nach China sind:

  • Bestelle den VPN-Anbieter bereits vor Deinem Reiseantritt
  • Installiere Dir die Zugangssoftware vorsorglich bereits vor Reiseantritt, auf allen verfügbaren Geräten (PC, Laptop, Smartphone, Tablet)
  • Teste die Funktionsweise auf den Geräten bereits vor Reiseantritt und macht Dich mit den Einstellungen und auch Empfehlungen dazu vertraut.
  • Im Problemfall (Verbindungsprobleme) wende Dich bitte direkt an uns, über unseren Live-Chat oder per E-Mail: kontakt(at)vavt.de. Wir werden versuchen Dir umgehend zu helfen.

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Zusammenfassung
China statuiert Exempel: 5 Jahre Haft und Geldstrafe für VPN-Betreiber
Beitragstitel
China statuiert Exempel: 5 Jahre Haft und Geldstrafe für VPN-Betreiber
Beschreibung
Vieles, was bei uns in Sachen Internet erlaubt, ja ganz selbstverständlich ist, kann in China zu gröberen Problemen führen. So geschehen bei einem Chinesen, der seit 2013 ein VPN anbietet. Dieses VPN hebelt für seine User die chinesische Zensur der Regierung, die sogenannte „Great Firewall of China“ aus (dort sind Hunderte von Seiten wie Facebook, Google etc. nämlich auf der Blacklist und damit verboten).
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